
Albrecht Graf Goertz
Albrecht Graf Goertz, Ehrenmitglied des DDC, verstarb am 27. Oktober 2006 im Alter von 92 Jahren. Autokenner denken bei diesem Namen sofort an den legendären BMW 507, jenen unvergleichlich elegant gezeichneten Sportwagen von 1955, der bis heute als das Meisterwerk im Automobil Design gilt und den Durchbruch für den Designer bedeutete.
1914 als Sohn eines alten Adelsgeschlechts im niedersächsischen Brunkensen geboren, absolvierte Goertz eine Banklehre bei der Deutschen Bank in Frankfurt, die er später in London bei einer Privatbank fortsetzte. Doch seine wahre Leidenschaft galt dem Automobil. 1935 emigriert er in die USA und begeistert sich in New York für das spektakuläre Auftunen alter Ford-Modelle. Bereits 1939 wird das Paragon-Coupé, sein erstes eigenes Design, auf der Weltausstellung in San Francisco präsentiert, das ihm Jahre später eine folgenreiche Bekanntschaft zum Stardesigner Raymond Loewy verschafft. Der erkennt sein Talent und verhilft ihm zu einem Designstudium am bekannten Pratt Institute in Brooklyn.
Goertz arbeitet als Junior Designer in Loewys Studebaker- Entwicklungsabteilung und bei Norman Bel Geddes, bis er sich 1953 mit Goertz Industrial Design Inc. in New York selbständig macht. Einer der ersten großen Kunden ist Hohner, für die er Akkordeons und Mundharmonikas für den US-Markt gestaltet. Aber Autos bleiben die große Liebe von Goertz. Er lernt Max Hoffmann kennen, den wichtigsten amerikanischen Importeur für Luxusfahrzeuge aus Übersee, der ihm den Kontakt zu BMW vermittelt. Er gestaltet den BMW 503 Sportwagen, der große Zustimmung findet. Der BMW 507 aber ist 1955 auf der Automobilausstellung in Frankfurt der große Star – und Goertz der neue Star am Designerhimmel. Sein Name wird nun mit Größen wie Pinin Farina, Bertone, aber auch Raymond Loewy genannt.
Nicht nur für die Automobilbranche setzt Goertz Maßstäbe. Er gestaltet ebenso Büro- und Elektrogeräte, Fotoapparate, Radios und Fernsehgeräte, aber auch Möbel, Schmuck und Mode. Er ist ein interdisziplinärer Designer. 1989 kehrt er im Alter von 75 Jahren in seine alte Heimat zurück.
Er wird Berater verschiedener Firmen und lehrt als Referent an Universitäten. In Brunkensen gründet er die Albrecht-Graf-Goertz-Stiftung mit dem Ziel, junge Designer zu fördern. Dort erlebte ich Graf Goertz 1993 bei einem Seminar, das wir für eine kleine Schar Designstudenten abhielten – ein grosses Erlebnis für mich. Er war ein Meister des Stils und erkannte sofort, wenn die Gestaltung keine Eleganz annahm. Für mich war er der 007 des Designs, der Gentleman-Designer, der bis zuletzt immer alleine arbeitete. Er war Vorbild, Legende, einfach ein großartiger Designer des letzten Jahrhunderts. Graf Goertz wird uns immer in den Gedanken bleiben.
Tassilo von Grolman
Ehrenvorsitzender und Gründer des Deutschen Designer Clubs (DDC) zum Tod von Albrecht Graf Goertz.