
Gerd A. Müller
Gerd A. Müller
>>... dabei ist es nur saubere, ehrliche Arbeit<<, diese Worte waren das Lebensmotto von Gerd A. Müller. Abgehobenes, Hochtrabendes war nicht seine Sache, nicht in der Architektur, nicht im Design. Weder Bauhaus, noch Ulmer Schule hingen ihm an als theoretischer Überbau. Jenseits von dogmatischen Gestaltungslehren suchte er nach neuen Ausdrucksformen im Design. Nach dem Studium der Innenarchitektur begann er 1956 – auf Empfehlung von Dieter Rams – mit seiner Arbeit bei Braun.
Artur Braun suchte damals einen Designer für die Neugestaltung einer Küchenmaschine. Gemeinsam – auch mit Erwin Braun – wollte man neue Wege im Design beschreiten. Man wollte Geräte herstellen, die primär eine Funktion zu erfüllen hatten. Sie sollten offen, sensibel und intelligent sein sowie einen hohen qualitativen Anspruch haben und trotz aller Einfachheit so etwas wie Eleganz ausstrahlen. Dieser Gedanke spiegelte sich im gesamten Unternehmens- und Arbeitsstil von Braun wider, selbst bis hin zum kleinsten Montagedetail.
Als leidenschaftlicher Koch und damit bester Handwerker auch, wußte er genau, wie eine Küchenmaschine zu arbeiten hat und dass sie pflegeleicht sein sollte. Er hat sie richtig gebaut – für sich und somit für alle anderen auch. Der Spaß am Gebraucht war es, Funktionalismus nicht als Theorievorgabe, sondern als Richtschnur praktischen Tuns.
Kurz vor seinem Tod merkt er zum aktuellen Design an, die Oberfläche würde mehr betont, anstatt in die Tiefe zu gehen. Geräte sollen uns dienen, nicht beherrschen. Diese Maxime sah man frühzeitig schon seinen Braun-Rasierern an.
Vieles, was damals als Braun-Gerät auf den Markt kam, wurde in Fachpublikationen als Werksentwurf ausgewiesen. Dabei waren es oft, erstaunlich oft, Arbeiten von Gerd A. Müller. Und seine Arbeiten wurden oft kopiert.
1960 begann seine Arbeit als selbständiger Designer. Sein Arbeitsfeld umfaßte die Bereiche Industrie-Design, Grafik-Design, Verpackungs-Design, Messestand- und Innenraum-Design. Erfolgt stellte sich ein.
Die Firma Lamy wäre ohne seine erfolgreichen Entwürfe für Schreibgeräte – das Museum of Modern Art hat sie gewürdigt und ausgestellt – längst nicht so bedeutend geworden. Seine sprichwörtliche Bescheidenheit – auch um seine Person – hat vieles vergessen lassen, was seine Leistung war. Das darf es wohl nicht im Ergebnis sein, wenn man, wie Gerd A. Müller, >>saubere, ehrliche Arbeit<< macht.
In einer schnell gelebten Welt, die Schein von Sein schwer unterscheiden kann und zu oft geblendet wird, müssen so hilfsbereite, offene, engagierte Menschen, wie Gerd A. Müller, im Bewußtsein bleiben. Die Ehrenmitgliedschaft ist das Mindeste, das wir tun können, um das Andenken an Gerd A. Müller, seine Haltung zum Design sowie der Umwelt wachzuhalten – und zu ehren.
Hans-Ulrich von Mende
Schatzmeister des DDC