Symbolische Schlüsselübergabe zwischen der Bergischen Universität Wuppertal und dem Unternehmen von Baum, 1988. Rolf Penner (von Baum), Prof. Dr. Jürgen Hans Hermann Bazon Brock, Manfred von Baum und Prof. Dr. Siegfried Maser (Rektor 1987 – 1991). Bild © Bergische Universität Wuppertal

DDC Ehrenmitglied

DDC Ehrenmitglied Bazon Brock hat das Publikum zu Akteur*innen gemacht, das Design zum Argument und die Theorie zum Abenteuer. Zum 90. Geburtstag von Bazon Brock gratulieren DDC Mitglieder einem der unbequemsten, klügsten und wirkungsvollsten Köpfe, die das deutschsprachige Design- und Kunstleben hervorgebracht hat.

Veröffentlicht am 02.06.2026

Über 3.000 Veranstaltungen, unzählige Bücher, das Action Teaching, die Besucherschule, die Denkerei – und jetzt eine eigene Geburtstagsshow im Renaissance-Theater. Wer sonst?

Seit 2014 ist Bazon Brock Ehrenmitglied des DDC, und das ist kein Ehrenamt im Sinne von: man setzt seinen Namen auf eine Liste. Es ist eine Haltung, dass Gestaltung einen Begriff von sich selbst braucht. Und Brock hat diesen Begriff über Jahrzehnte mitgeprägt – streitbar, konsequent, unbequem.

Brock hat das Publikum zu Akteur*innen gemacht, Designer*innen zu Schlüsselfiguren der Moderne erklärt und das Theoriegelände zur Lustmarsch-Strecke umgedeutet. Kurzum: Er hat dafür gesorgt, dass Nachdenken nicht als Gegenteil von Gestalten gilt.

Der Deutsche Design Club gratuliert zum 90sten! Auf die nächste dreiviertel Stunde in der Hüpfburg – und auf alles, was danach noch kommt!

DDC Ehrenmitglied Bazon Brock begeht am 02. Juni 2026 seinen 90sten Geburtstag.
Bild © Verena Berg, documenta Archiv

Bazon Brock wird 90

Der DDC gratuliert Ihnen, Bazon Brock, herzlich zum Geburtstag. Als Denker im Dienst, Philosoph, Vermittler, Künstler ohne Werk, Professor für Ästhetik und Kulturvermittlung in Wuppertal am Fachbereich Design der Bergischen Universität sowie weit darüber hinaus und Gründer der Denkerei haben Sie Generationen von Gestalter*innen, Künstler*innen und Denkenden geprägt. Sie, Herr Brock, gehören zu den ganz großen intellektuellen Unruhestiftern der deutschen Nachkriegsmoderne. Ich erinnere: Sie waren Teil zentraler Fluxus- und Happening-Ereignisse, unter anderem 1965 in der legendären Galerie Parnass in Wuppertal – gemeinsam mit Joseph Beuys, Nam June Paik, Charlotte Moorman, Wolf Vostell und anderen.

Ihre vielleicht wichtigsten Beiträge liegen in der Verbindung von Theorie, Aktion und Vermittlung: mit dem Action Teaching, der Ästhetik als Vermittlung, den documenta-Besucherschulen und der Idee der professionalisierten Bürger*innen. Sie machten deutlich, dass Kunst und Gestaltung nicht nur betrachtet, sondern verstanden, befragt, kritisiert und gesellschaftlich wirksam gemacht werden müssen. Wir lernen heute zum Beispiel im Kontext der World Design Capital Frankfurt RheinMain auch mit diesen wertvollen Gedanken aktiv in Plattformen wie dem Urban Now Lab zu handeln.

Von 1968 bis 1992 führten Sie die von Ihnen begründeten documenta-Besucherschulen in Kassel durch. Ihre Führungen über die documenta hinterließen, wie man hört, oft mehr Spur und Erinnerung als manche Kunstarbeit selbst.

2014 wurden Sie Ehrenmitglied des Deutschen Design Clubs. Ihr Auftritt beim DDC bleibt legendär: ein Vortrag als Denkereignis, Forderung und Förderung zugleich. Gerne treffen wir Sie, geschätzter Bazon Brock, um daran anzuschließen und einen neuen Gedanken aus Ihrer Denkerei aufzunehmen. Wir danken Ihnen, Bazon Brock, für Schärfe, Zumutung, Erkenntnislust und die unermüdliche Arbeit an der Frage, wie Menschen urteilsfähig werden. Herzlichen Glückwunsch zum 90. Geburtstag, Bazon Brock.

Wolf Wagner und der DDC Vorstand

Prof. Bettina Otto
Thomas Jäger
Michael Menge
Dara Sepehri
Susanne Wacker

Lieber Bazon Brock,

heute bin ich dankbar, dass ich bei den documenta-Spaziergängen dabei war, auch wenn Sie mich teils furchtbar genervt haben, dadurch bin ich drangeblieben. Ein ungeheures Durchhaltevermögen bei Ihnen. Und ich hoffe, das hält noch lange.

Georg-Christof Bertsch (DDC Mitglied, DDCAST)
Design- und Organisationsberater BERTSCH. Brand Consultants, Director Content & Program WDC Campus

20 Jahre lang habe ich Bazon Brock im Fachbereich 5/Design der Universität Wuppertal genießen dürfen, mal als Kollege bei den Kommunikationsdesigner*innen, mal als Dekan.

Brock war unter den Studierenden eine Kultfigur, ein „Halbgott“, wie der Rektor meinte. Sie hingen an seinen Lippen, auch wenn seine spezielle „Dialektik“ nicht immer verständlich war (oder gerade deswegen). Die „Rationalität des Irrationalen“, die „Vernunft der Wahnhaftigkeit“ als Titel von Vorlesungen lassen erst einmal aufhorchen. Und was ist „Maieutisches Stöhnen“? Brocks universelles Wissen, seine Bildung, haben auch mich tief beeindruckt. Unnachahmlich waren seine Vorlesungen über Fluxus oder die über seine Freund*innen in der Kunst wie Beuys oder Anna und Bernhard Blume.

Brocks großes Verdienst war in meinen Augen, dass „Theorie“ in meinem Fachbereich sehr geachtet war. Die Vermittlung war seine große Begabung. Seine Vorlesungen waren ein „Lustmarsch durchs Theoriegelände“, wie er es selbst formulierte. Sein widerstreitender Kollege Siegfried Maser, ebenfalls zeitweise Dekan bei den Designer*innen und Rektor der Universität, war das ungleich anders ausgerichtete Pendant der Theorie beim Industrial Design. Beide waren die Säulen dieser Institution.

Bazon Brocks eigentlicher Name ist Jürgen Johannes Hermann Brock. Den Spitznamen Bazon (für „Schwätzer“) erhielt er schon auf der Schule von seinem Lateinlehrer aufgrund seiner ausdauernden Redekünste. Eins meiner eindrucksvollsten Erlebnisse mit Brock war eine Weihnachtsfeier, die er als Dekan mit einer anhaltenden Rede von 16 bis 20 Uhr gestaltete. Die andächtig zuhörenden Kolleg*innen wurden derweil mit Kuchen und Häppchen beglückt, ohne sich zu Wort zu melden. Zumindest war für vier Stunden einmal Ruhe in diesem nicht ganz einfachen Fachbereich mit seinem Dauerstreit.

Wer Brocks Begabung einmal genüsslich erleben möchte, sollte sich die Fernsehsendung „Der heiße Stuhl“ in RTL+ (zu sehen bei YouTube) ansehen, in der der Professor für Ästhetik für die Abrüstung des Karnevals warb – sehr intelligent übrigens, aber nicht unbedingt zur Freude der anwesenden Karnevalist*innen. Brock meisterte die Angriffe souverän.

Herzlichen Glückwunsch, lieber Bazon, verbringe einen anregenden Geburtstag und erfreue dich deiner anhaltenden Wertschätzung!

Gerda Breuer (DDC Mitglied, DESIGN DISKURS)
Kunst- und Designhistorikerin, emeritierte Professorin der Bergischen Universität Wuppertal

Simon Daubermann (DDC Mitglied)
Designer DAUBERMANN, ehemals DDC Vorstand (2021–2024)

Foto © Katharina Dubno

Lieber Bazon,

ich erinnere mich sehr genau an deine Begrüßung als damaliger Dekan, gleich zu Beginn unseres ersten Semesters. Wir sollten uns bloß nicht einbilden, nur weil wir aufgenommen worden seien, hieße das schon irgendetwas. Talent zu haben sei das eine. Daraus etwas zu machen, Erfolg zu haben und sich durchzusetzen, etwas ganz anderes. Aus deiner Erfahrung zeige sich in den ersten vier, fünf Jahren, ob etwas in Bewegung komme. Wenn dann nichts passiere, passiere meistens auch später nicht mehr viel.

Wahrscheinlich hätten wir ohnehin noch wenig Ahnung. Den Mann neben dir, mit dem weißen und dem schwarzen Schuh, würden wir wahrscheinlich nicht einmal kennen. Volltreffer, zumindest bei mir. Uwe Loesch? Wer war das noch mal? Und überhaupt: Warum Plakat? CD-ROM und Flash waren doch gerade der heiße Scheiß. Außerdem hätten die vielen Professor*innen an dieser Universität auch anderes in der Weltgeschichte zu tun, als uns zu helfen.

Ich saß da und dachte:
Bienvenue à Wuppertal. 

Heute kaum vorstellbar. Die junge Generation würde sich vermutlich massiv darüber aufregen, vielleicht zu Recht, aber womöglich vor allem über Form, Rollen und Machtverhältnisse. Wir taten es nicht. Zum Glück – vielleicht. Denn diese Zumutung hatte eine andere Wirkung: Sie blieb im Raum und in einem selbst. Sie forderte heraus. Und irgendwann wurde aus dieser Herausforderung Widerspruch.

Ein paar Semester später, im Rahmen eures Seminars, hast du uns in einem deiner bekannten Monologe rundgemacht. Du sprachst von einer degenerierten Generation, die nicht mehr richtig lese und der es angeblich schon an orthografischen Grundkenntnissen fehle. Auf deine Frage, mit wie vielen „l“ Feuilleton geschrieben werde, antwortetest du selbst: wahrscheinlich mit drei oder vieren, so ungefähr. Das fand ich so unangemessen, dass ich den Mut fasste, zum ersten Mal vor einer Gruppe laut zu widersprechen. Wir haben uns richtig gestritten. Ich habe damals angemerkt, dass ihr beide ja nicht einmal bereit wart, bei den Noten wirklich zu differenzieren; am Ende liege ohnehin alles zwischen „sehr gut“ und „sehr gut“. Mir ging es um Klarheit: um die Frage, ob Lehrende ehrlich benennen müssen, was trägt und was noch nicht.

Im Rückblick erinnere ich mich, dass du fast erleichtert schienst: Endlich bewegt sich etwas. Damals fand ich das obszön. Ich wollte doch Halt und Orientierung. Heute denke ich: Wahrscheinlich war genau das der Punkt. Ein Weckruf an uns Junge, nicht alles hinzunehmen, Dinge zu hinterfragen, eine eigene Position zu finden und sich zu trauen, in den Konflikt zu gehen – oder, in deinem Sinne, „Täter“ zu werden.

Was die Notenfrage betraf, nahm mich Uwe damals zur Seite und sagte ruhig: „Nun seien Sie doch nicht so ernst und streng. Warten Sie ab, bis Sie Kinder haben, dann relativiert sich einiges.“ Auch das stimmt. Der Blick auf das Leben verschiebt sich noch einmal erheblich. Die Herausforderung bleibt jedoch: in der Bewertung ehrlich zu sein und zugleich den Blick für das Leben des Einzelnen dahinter nicht zu verlieren.

Wir sollten uns wieder mehr Freude an Widerspruch und Auseinandersetzung zutrauen: im Denken, in der Gestaltung, in der Haltung. In einer offenen Gesellschaft, die sich mit dem Status quo nicht zufriedengibt.

Auch wenn unsere Begegnung kurz war:
Dafür danke ich dir. Es hat etwas bewegt.

Ich gratuliere dir sehr herzlich zum 90. Geburtstag.

Nicolas Markwald
DDC Mitglied, ehemaliger DDC-Vorstandssprecher (2017 – 2021)
Kommunikationsdesigner, Markwald Design Office
Professor für Kommunikationsdesign, Hochschule Rhein-Waal

Lieber Bazon,

mein erstes persönliches Zusammentreffen ereignete sich bei Jeannot Simmen, einem ehe-maligem Doktoranden von dir. An einem lauen Sommernachmittag bei Freund*innen am Waldsee in Berlin. Kaum betrat man das Haus, spürte man, lange bevor man dich sah, ein gewisses geistiges Flirren in der Luft. Alles, was ich bis zu diesem Zeitpunkt von dir und über dich gehört und gelesen hatte, nahm augenblicklich Gestalt an. Mit deiner rethorischen Brillanz, deiner Fähigkeit Denkräume zu öffnen und deiner Freude an der Provokation hast du alle in deinen Bann gezogen. Mit deiner Leidenschaft zur Kritik an Gewissheiten und deinem Vergnügen an der philosophischen Zuspitzung wurde der Nachmittag zu einem kulturellen Salon wie in alten Zeiten.

Zu deinem 90. Geburtstag meine allerherzlichsten Glückwünsche!

Uli Mayer-Johanssen (DDC Mitglied)
Designerin, Markenspezialistin und Autorin

Bazon Brock liebte die Diskussion. Sie war kein Beiwerk seiner Lehre, sondern ihr eigentlicher Kern. Für ihn war Design stets Teil größerer geistiger und gesellschaftlicher Prozesse. In einem Plakatkurs, den er gemeinsam mit Uwe Loesch an der Bergischen Universität Wuppertal gab, forderte er uns eindringlich dazu auf, konsequent über den Tellerrand des Designs hinauszublicken, uns vielseitiger zu bilden, wach zu bleiben und gesellschaftliche Fragen zu stellen – auch im Sinne der Provokation.

Seine Art war für junge Studierende oft fordernd, aber stets zielführend. Danke für diesen Anstoß und alles Gute zum 90. Geburtstag.

Nina Neusitzer (DDC Mitglied, DDC Salon NRW)
Designerin Neusitzer Brand Identity 

Leider werde ich es wohl eher nicht am 02. Juni 2026 zum offiziellen Brock‘schen Ehrenpalaver ins Renaissance Theater schaffen. Also auf diesem Wege ein paar lautstarke Glückwunschsalven und Salute aus Offenbach.

Sigrid Ortwein (DDC Mitglied)
Designerin CAEPSELE_visual storytelling

Lieber Bazon Brock,

Kennengelernt habe ich dich als du auf der documenta 1968 den Kunstführer gespielt hast. Ich fing da gerade mit meinem Studium an der dortigen Werkkunstschule Kassel an.

Und damals hattest du mich mit deinem Wissen über die Exponate fasziniert. Dann hörte ich später, dass du in Wuppertal an der Werkkunstschule warst, und du sofort ein toller Kandidat für den DDC als Ehrenmitglied wurdest. So hast du nicht nur mir, sondern sehr vielen anderen Kolleg*innen und Künstler*innen die Sicht der Künste und das richtige Sehen erklärt.

Danke Bazon Brock und herzliche Grüße zu deinem 90. Geburtstag!

Tassilo von Grolman (DDC Mitglied)
Designer und Mitgründer des Deutschen Design Club

Wuppertal, frühe 1980er Jahre: ein Informationstermin für Schüler*innen und vermutlich auch ältere Studienbewerber*innen am Fachbereich Design.

Einige sprachen – einer blieb, so wie es auch Besucher*innen seiner documenta-Führungen beschreiben: Prof. Bazon Brock. Ihn erinnert man, denn Form und Inhalt sind bei ihm ein Werk für sich. Ich sehe ihn noch heute vor mir, obgleich ich damals erst etwa 14 Jahre alt war.

Ich bewegte mich hinein in eine Phase des Umbruchs und des jugendlichen Unsinnmachens. Dazu gehörten die Entdeckung von Bands mit nur zwei Akkorden, Exkursionsdrang in leerstehende Gebäude und andere Experimente auf gefühlt politischen wie sozialen Ebenen. Aber im Grunde war es Abenteuerlust, der Wunsch zu gestalten und letztlich die Suche nach etwas Sinn.

In nur einer Stunde bei ihm wurde mir etwas klar, das alles veränderte: Kreativität ist ein Wert, eine Ressource und eine Sache, die keine Grenzen kennt außer derer, die man sich setzt. Ästhetik ist in allem und wirkt aus allem. Gestaltung kann zudem ein Beruf sein, wobei mich das noch nicht interessierte. Es war meine erste „Vorlesung“ – und es war wohl die wichtigste. Bazon Brock sprach über Ästhetik, über Design am Rande. Ich verstand vieles nicht, so jung. Das löste etwas aus, was bis heute gilt. Es eröffnete eine Perspektive, die in ein Universum führen sollte.

Nicht, dass er der einzige Einfluss gewesen wäre. Da gab es noch eine Tanzchoreografin, ein paar Musiker*innen und eine Stadt, die Kreativität forderte, wenn man in ihr gestaltend leben wollte. Aber von da an wusste ich ungefähr, wohin es gehen könnte – auch wenn noch einige Widerstände, auch die eigenen, vor mir lagen. Dieser Tag am Haspel wurde zum Ausgangspunkt. Später, als Industriedesigner und Vorstand des Deutschen Design Clubs, konnte ich etwas zurückgeben, ohne über das Persönliche zu sprechen – und schlug ihn als DDC Ehrenmitglied vor.

Wie dankt man Bazon Brock? Indem man es sagt, als sei das Wort ein wertvolles Geschenk: Danke.

Ach ja: Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Bazon Brock.

Wolf Wagner
DDC Vorstand und Designer, gebürtiger Wuppertaler