„Starline“ ist ein visionäres Konzept für ein Hochgeschwindigkeitsbahnnetz im Stil einer U-Bahn, das 39 europäische Städte bis 2040 miteinander verbinden soll. Rendering © Bakken & Baeck

DESIGN DISKURS

Was wäre, wenn die Zukunft Europas kein Strategiepapier, sondern ein Bild wäre? Johanna Fabrin von 21st Europe über „pragmatischen Optimismus“, spekulative Entwürfe für Hochgeschwindigkeitszüge und Kernenergie sowie darüber, warum Design – und nicht Komitees – eine echte Bürgerdebatte anregt.

Veröffentlicht am 03.09.2026
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21st Europe ist eine junge Initiative, die neu definiert, wie eine ambitioniertere, optimistischere Zukunft für Europa aussehen könnte und welche Rolle Design dabei spielt. Anstatt die Herausforderungen Europas als rein politische oder wirtschaftliche Probleme zu betrachten, arbeitet die Initiative mit „Blueprints“: spekulativen, stark visuell geprägten Vorschlägen, die komplexe politische Fragen – von Hochgeschwindigkeitszügen über Kernenergie bis hin zur europäischen Fertigungsindustrie – in Ideen übersetzen, die sich die Menschen tatsächlich vorstellen und diskutieren können. Johanna Fabrin leitet den Bereich Strategie und Politik bei 21st Europe und arbeitet dabei mit einem losen Netzwerk aus Designer*innen, Forscher*innen und Studios in ganz Europa zusammen. Prof. Dr. Felix Kosok sprach mit ihr darüber, wie ihr Arbeitsalltag aussieht, wie die „Blueprints“ entstehen und welche Art von Europa sie sich persönlich in zwanzig Jahren wünscht.


Felix Kosok: Wie sieht deine tägliche Arbeit bei 21st Europe konkret aus, und wie würdest du deine eigene Rolle beschreiben?

Johanna Fabrin: 21st Europe ist eine relativ junge Initiative, die vor etwa anderthalb Jahren ins Leben gerufen wurde. Sie entstand ganz organisch aus dem Gefühl heraus, dass Design in den Diskussionen über eine ambitioniertere, optimistischere Zukunft für Europa fehlte, und das Team wuchs auf dieselbe Weise.

Wir verstehen uns weniger als traditionelles Team, sondern eher als Arbeitsgruppe. Die meisten Menschen arbeiten nur zeitweise mit uns zusammen – Forscher*innen, Strateg*innen, einige mit politischem Hintergrund, andere, die durch ihre eigenen Projekte eng mit der Design- und Kreativbranche verbunden sind. Diese Mischung ist eine echte Stärke.

Sie prägt auch unsere Arbeitsweise: asynchron, nicht nur aus der Ferne. Die Menschen sind in Kopenhagen, Barcelona, Großbritannien und Schweden ansässig, und fast niemand arbeitet hauptberuflich für 21st Europe. Diese Flexibilität ist mir persönlich auch wichtig – ich habe vier Kinder zu Hause –, und ich halte diese Arbeitsweise an sich schon für eine Art Innovation: Sie bietet talentierten Menschen Raum, die sich auch die Freiheit wünschen, anderen Dingen nachzugehen, was wiederum einen echten Mehrwert für die Arbeit schafft.

Wir haben einen Raum in Kopenhagen, in dem ich oft bin, aber ansonsten arbeitet jeder von dort aus, wo er oder sie gerade ist. An manchen Tagen stehen Telefonate direkt hintereinander auf dem Programm, um unser Netzwerk zu erweitern und mit Organisationen oder Universitäten darüber zu sprechen, wie sie diese Denkweise in ihre eigenen Strategien integrieren können. An anderen Tagen widmen wir uns ganz der intensiven Arbeit an den „Blueprints“ – derzeit stehen zwei für diesen Herbst an –, sodass ich mir heute vier Stunden Zeit genommen habe, um über Narrative und Storytelling nachzudenken.

Sich Zeit für diese Reflexion zu nehmen, ist unerlässlich: Diese Art des zukunftsorientierten Denkens erfordert die Frage, was man sich als Bürger*in tatsächlich für die Zukunft Europas wünscht – eine Frage, für die wir uns selten Zeit nehmen. Genau deshalb sind die Mitarbeiter*innen von 21st Europe nicht zu 100 Prozent an das Unternehmen gebunden: Sie brauchen auch anderswo Raum, um darüber nachzudenken, wie ihre eigene Arbeit, ihre Familie oder ihre Stadt besser gestaltet werden könnte.

Kaave Pour (Gründer) und Johanna Fabrin (Gründerin und geschäftsführende Gesellschafterin) von 21st Europe. Bild © Niklas Adrian Vindelev

Felix Kosok: Ist jedem „Blueprint“ ein bestimmtes Team zugeordnet? Es klang so, als hätten alle eine gewisse Affinität zum Design, aber ich kann mir vorstellen, dass die Hintergründe unterschiedlich sind. Wie funktioniert diese Struktur eigentlich?

Johanna Fabrin: Es gibt die Art und Weise, wie wir „Blueprints“ am Anfang umgesetzt haben, und die, wie wir sie heute umsetzen. Zu Beginn war hauptsächlich ich für Strategie und Recherche zuständig, Kaave, unser Gründer, für die kreative Leitung und ein externes Designstudio für die Umsetzung. Dieser letzte Teil hat sich nicht geändert: Wir arbeiten nach wie vor für jeden Blueprint mit verschiedenen Designstudios in ganz Europa zusammen. Das ist eine spannende Möglichkeit, unterschiedliche Designkompetenzen und Ästhetiken auf dem gesamten Kontinent zu präsentieren, während die kreative Leitung bei 21st Europe verbleibt, um die Erzählweise und den Optimismus einheitlich zu halten.

Was unsere eigenen Mitarbeiter*innen betrifft, so haben die meisten als Designer*in oder zumindest in designnahen Funktionen gearbeitet. Ich selbst komme aus dem strategischen Bereich, ursprünglich aus der Politik, in jüngerer Zeit jedoch aus der Design- und Kreativbranche. Es gibt also kein festes „Blueprint“-Team; die Zusammensetzung ändert sich je nach Projekt, da sich jedes „Blueprint“ hinsichtlich Ästhetik, Ausrichtung oder technischer Tiefe erheblich unterscheidet. Ich bin der rote Faden, der dafür sorgt, dass die Perspektive von 21st Europe in jedem „Blueprint“ konsistent bleibt, während je nach Projekt ein oder zwei weitere Personen für strategischen Austausch und kreative Leitung hinzukommen.

Das Projekt „Continent of Play“ betrachtet öffentliche Spielplätze als wichtige Gemeinschaftsräume. Rendering © Spacon

Felix Kosok: Die „Blueprints“ bewegen sich irgendwo zwischen spekulativem Design und evidenzbasierter Politik. Wie navigiert ihr diesen Spagat zwischen der Vorstellung einer Zukunft und der Entwicklung eines glaubwürdigen Weges dorthin?

Johanna Fabrin: Unser Ansatz lässt sich am treffendsten als pragmatischer Optimismus beschreiben. Zukunftsarbeit tendiert zu einem von zwei Extremen: entweder rein utopisch und realitätsfern oder als Szenarioplanung mit Fokus auf Risikominderung, was letztlich defensiv und angstbasiert wirkt. Wir konzentrieren uns stattdessen darauf, wohin wir tatsächlich wollen und was dafür notwendig ist, um dorthin zu gelangen. Dabei bauen wir auf den heutigen Realitäten auf und erkennen gleichzeitig unsere eigene Handlungsfähigkeit als Europäer*innen sowie unsere Erfolgsbilanz bei der Gestaltung der Zukunft, die wir uns wünschen.

„Unser Ansatz lässt sich am treffendsten als pragmatischer Optimismus beschreiben.“

Das deutlichste Beispiel ist die Europäische Union selbst, die einst als Wahnsinn galt und heute als selbstverständlich angesehen wird. Viele der Lösungen, die wir bräuchten, existieren bereits als Ideen oder politische Initiativen; die Denkansätze sind größtenteils vorhanden. Was fehlt, sind Verständnis und Engagement in der Öffentlichkeit. Genau hier kommt dem Design, insbesondere dem visuellen Design, eine entscheidende Rolle zu: Es geht darum, das, was auf dem Papier unmöglich erscheint, in etwas zu verwandeln, das sich intuitiv und sogar unvermeidlich anfühlt.

Das Projekt „Made in Europe“ ist ein radikales Design-Experiment, das das traditionelle Label „Made in Europe“ neu definiert. Rendering © Dada Projects

Felix Kosok: Ich arbeite an etwas, das wir „demokratische Visionierung“ nennen: die Fähigkeit des Designs, an der Schnittstelle zwischen Vorstellungskraft und Visualisierung zu stehen – nicht nur eine Zukunft abstrakt zu entwerfen, sondern sie sichtbar und erlebbar zu machen. Findet das in eurer Praxis Anklang?

Johanna Fabrin: Absolut. Designer*innen halten ihre eigenen Fähigkeiten oft für selbstverständlich und vergessen, dass es den meisten Menschen schwerfällt, etwas zu bauen, das sie nicht sehen können, wie bei einem Puzzle oder einem Lego-Set: Ohne zu wissen, was man baut, ergibt ein Haufen Teile keinen Sinn.

Genau diese Art des Erzählens fehlt oft in der Politik. Wenn Bewegungen ein lebendiges Bild eines Traums zeichnen, wirkt das motivierend. Martin Luther Kings Rede ist das klassische Beispiel: „Ich habe einen Traum“, nicht „Ich habe einen Plan.“ Die Politik könnte viel mehr von diesem fantasievollen Denken gebrauchen, ausgehend von dem, was wir tatsächlich wollen, anstatt der Kurzfristigkeit, die politische Zyklen oft fördern.

„Den meisten Menschen fällt es schwer, etwas aufzubauen, das sie nicht sehen können.“

Felix Kosok: Das deckt sich mit einem Gedanken, auf den ich immer wieder zurückkomme, wenn ich nach der Rolle des Designs in der Demokratie gefragt werde. Ich habe mir aktivistisches Design wie das „Silence = Death“-Plakat aus der AIDS-Krise angesehen, das Menschen durch Wut und Trauer mobilisiert hat – ein wirkungsvoller Einsatz negativer Emotionen. Ich habe mich gefragt, ob positive Emotionen auf die gleiche Weise wirken können. Das Obama-„Hope“-Plakat scheint ein Beispiel dafür zu sein: Er wirkt bereits präsidial, und für ein junges Schwarzes Kind, das dieses Bild sieht, erweitert es das Vorstellbare – wenn er Präsident werden kann, kann ich es vielleicht auch.

Johanna Fabrin: Bemerkenswert: Rund 70 Prozent von uns lernen visuell. So verarbeiten wir Informationen und so prägt sich unser Weltbild aus. So rational wir uns auch gerne glauben mögen – die meisten Menschen lassen sich von einem Whitepaper nicht bewegen, niemand möchte ein hundertseitiges Dokument lesen. Sobald eine Idee visuell wird, wird sie intuitiv zugänglich, was für die Demokratie und das bürgerschaftliche Engagement von enormer Bedeutung ist.

Einer unserer aktuellen „Blueprints“ befasst sich mit der Kernenergie – ein Thema, das technisch und kompliziert genug ist, dass die Menschen emotional darauf reagieren, sich aber davon ausgeschlossen fühlen, sich inhaltlich damit auseinanderzusetzen. Ähnlich verhält es sich mit KI: Die Komplexität macht es den Bürger*innen schwer, sich als Teil der Diskussion zu fühlen. Diese Themen so zu vermitteln, dass die Menschen sie gut genug verstehen, um sich eine eigene Meinung zu bilden, ist für eine wirklich engagierte Bürgerschaft unerlässlich.

„Sobald eine Idee visuell wird, wird sie intuitiv zugänglich.“

„Made in Europe“ verwandelt das Label in ein digitales Vertrauenssystem. Produkte nutzen offene Daten, um ihre Herkunft und ihre Auswirkungen offenzulegen. Rendering © Dada Projects

Felix Kosok: Einer eurer „Blueprints“, der mir besonders im Gedächtnis geblieben ist, ist „Made in Europe“, der den Begriff der Herkunft über physische Güter hinaus auf digitale Dienste ausweitet. Mir hat es sehr gut gefallen, wie ihr die europäische Flagge in einen Smiley verwandelt hast – eine clevere Visualisierung. Aber hinter diesem Smiley steckt noch mehr: Normalerweise verbinden wir Europa mit Vorschriften und Standards, die bürokratisch wirken und wie eine Last empfunden werden. Was war der Moment, in dem ihr erkannt habt, dass das stattdessen etwas ist, auf das man stolz sein kann?

Johanna Fabrin: Zwei zentrale Erkenntnisse, eine strategischer Natur, eine aus dem Designbereich. Strategisch gesehen reden wir viel darüber, dass Europa nicht wettbewerbsfähig genug sei, und dabei kommt immer wieder das Thema Regulierung zur Sprache. Doch in einem kreativen Kontext sind Einschränkungen ein entscheidender Teil des Prozesses – man denke nur an Steve Jobs und das iPhone mit nur einem Knopf. Anstatt Regulierung als Last zu betrachten, könnten wir sie als eine Einschränkung sehen, die neue Wege eröffnet, Dinge zu gestalten.

Aus gestalterischer Sicht kam die Erkenntnis aus dem Alltag. Ich arbeite in Dänemark; wir haben auch deutsche Teammitglieder. Nach Trumps Wahl fielen uns in Lebensmittelgeschäften schwarze Sterne auf, die Waren kennzeichneten, die nicht in Europa hergestellt wurden – eine Vorwegnahme der tatsächlichen Nachfrage der Verbraucher*innen nach dieser Information. Damit wurde klar, dass dies eine gestalterische Herausforderung war: Wie vermittelt man sofort, was „Made in Europe“ eigentlich bedeutet?

Intuitiv haben wir das Gefühl, dass „Made in Europe“ besser ist, wollten aber noch einen Schritt weiter gehen. Amerikanische Verbraucher*innen suchen oft gezielt nach diesen europäischen Produkten, weil sie diese mit Nachhaltigkeit, höheren Gesundheitsstandards und fairen Arbeitsbedingungen in Verbindung bringen. Vieles, was wir einfach als „selbstverständlich“ ansehen, sind auf globaler Ebene tatsächlich echte Vorteile. Die Geschichte gibt es bereits, wir haben sie nur noch nicht eindringlich genug erzählt.

Das Projekt „Made in Europe“ entwirft die Vision eines Kontinents, der in Sachen Vertrauen, Transparenz und grüner Wandel eine Vorreiterrolle einnimmt. Rendering © Dada Projects

Felix Kosok: Viele Überlegungen zum „Europa der Zukunft“ entstehen in einem kleinen Kreis aus Designer*innen, politischen Entscheidungsträgern und Think Tanks – und ich nehme an, das trifft auch auf das Europa des 21. Jahrhunderts zu. Wo kommen die Bürger*innen und die demokratische Teilhabe in eurem Prozess eigentlich ins Spiel? Ist „Made in Europe“ etwas, das die Europäer*innen mitgestalten, oder etwas, das ihnen angeboten wird?

Johanna Fabrin: In der Kreativbranche gibt es einen Witz, dass der schnellste Weg, eine gute Idee zu ruinieren, die Gestaltung durch ein Komitee ist, und da ist wirklich etwas Wahres dran. Wir beziehen die Perspektiven der Bürger*innen zwar ein, aber nicht in der Phase, in der die Leute es erwarten, nämlich am Anfang.

Andere Institutionen sammeln bereits diese Art von umfassendem, direktem Feedback. Was uns fehlte, war die Geschwindigkeit. Diese Methodik haben wir organisch über Space10 entdeckt, das ehemalige externe Innovationslabor von IKEA, aus dem sowohl Kaave als auch ich stammen: Gestalte einen „Blueprint“ visuell ansprechend und leicht verbreitbar, dann kannst du ihn effektiv in der Öffentlichkeit testen. Bring ihn raus: Hier ist etwas, von dem wir glauben, dass es spannend sein könnte. Was haltet ihr davon? Und das Feedback, das man erhält, ist oft sehr konkret.

„Starline“ ist ein gutes Beispiel: Wir haben die Idee eines Hochgeschwindigkeitsbahnnetzes mit einer Karte vorgestellt, die auf bestehenden Strecken und technischen Überlegungen basierte. Das Feedback wies auch auf wichtige gesellschaftspolitische und historische Aspekte hin, insbesondere hinsichtlich der Lage der Bahnhöfe in Osteuropa, die wir direkt in die Karte einarbeiten konnten. So entstand eine unmittelbare Feedbackschleife.

„Starline“ ersetzt langsame, fragmentierte grenzüberschreitende Bahnstrecken durch ultraschnelle Züge mit 300–400 km/h, um das Reisen mit der Bahn auf vielen Strecken schneller als das Fliegen zu machen. Rendering © Bakken & Baeck

Etwas Konkretes zu haben, das die Menschen kritisieren und weiterentwickeln können, ist der schnellste Weg, um echtes Engagement zu erreichen – von Bürger*innen bis hin zu großen Institutionen.

Felix Kosok: Da stimme ich voll und ganz zu. Gerade im deutschen Kontext wird Partizipation oft als Konsensbildung verstanden. Aber eine Idee in die Welt zu setzen und bewusst Reibung und Kritik zu erzeugen, ist eine ganz eigene Form der Partizipation. Ich kann mir vorstellen, dass ihr beim Thema Kernenergie auf reichlich davon vorbereitet seid.

Johanna Fabrin: Natürlich. Das ist das Spannende an 21st Europe: Mit Hilfe von Design diese Themen ins Bewusstsein zu rücken und einen offenen Raum zu schaffen, in dem darüber diskutiert und weiter daran gearbeitet werden kann.

„Made in Europe“ zum Beispiel begann als bloße Visualisierung, als Idee, als Überlegungen zur Umsetzung. Seitdem haben sich mehrere produzierende Unternehmen gemeldet, die das Konzept auf ihre eigenen Produkte anwenden möchten. Es hat fast etwas Magisches, eine Idee auf diese Weise greifbar zu machen – dadurch entsteht ein ganz anderes Tempo von der Idee bis zur Umsetzung als beim traditionellen Ansatz, bei dem man zuerst alle befragt und erst dann die Idee weiterentwickelt.

Felix Kosok: Letzte Frage, zurück zum Persönlichen: In was für einem Europa möchtest du in zwanzig Jahren leben?

Johanna Fabrin: Das ist eine so große Frage. Ganz einfach gesagt: Ich wünsche mir das, was alle Eltern für ihre Kinder wollen – ein besseres Europa als das, das ich erlebt habe.

Ich glaube, Europa hat in seinem kulturellen Verständnis etwas zu bieten, was die Frage betrifft, was es bedeutet, ein gutes Leben zu führen. So sehr wir auch davon sprechen, in Sachen Shareholder Value mit den USA Schritt zu halten – ich halte es für enorm wichtig, an der Vorstellung festzuhalten, dass Lebensqualität eine Frage der Zeit ist. Zeit ist der ultimative Luxus: Zeit mit den eigenen Kindern, mit Freunden, Zeit, um den eigenen Leidenschaften nachzugehen. Das ist die Währung, über die wir als Europäer*innen tatsächlich verfügen können.

Anstatt sich mit den Websites verschiedener Länder herumzuschlagen, werden Fahrgäste bei „Starline“ ein einziges einfaches digitales Ticket nutzen, um Grenzen zu überqueren. Rendering © Bakken & Baeck

Was wir oft vergessen, ist, wie wichtig es ist, dass man sich um uns kümmert. Da ich viele Jahre außerhalb Europas gelebt habe, habe ich gesehen, dass es echte emotionale und gesellschaftliche Kosten mit sich bringt, wenn Bürger*innen vernachlässigt werden. In einer Gesellschaft zu leben, die das Privileg hat, füreinander zu sorgen, ist etwas, worauf wir meiner Hoffnung nach noch stärker setzen sollten. Kurz gesagt: Ich wünsche mir ein besseres Europa – eines mit mehr Zeit und eines, in dem wir weiterhin füreinander sorgen.

Johanna Fabrin

Als Partnerin und Geschäftsführerin verankert Johanna Fabrin 21st Europe in aktuellen politischen Agenden und sorgt dafür, dass diese durch Design in umsetzbare Erkenntnisse umgesetzt werden. Ihr Hintergrund umfasst Klima- und Wirtschaftspolitik; sie hat mit multilateralen Organisationen wie der Weltbank und den Vereinten Nationen zusammengearbeitet, um Politik und Umsetzung miteinander zu verknüpfen. Außerdem hatte sie strategische Positionen bei SPACE10 und AKQA inne, wobei ihr Schwerpunkt darauf lag, wie Design Veränderungen vorantreibt.