NACHRUF

Peter Schmidt prägte Generationen von Designer*innen und baute eines der einflussreichsten Designstudios Europas auf. Nun ist er im Alter von 87 Jahren am 24. Juli 2025 in Hamburg verstorben. Norbert Möller, DDC Mitglied und Executive Creative Director bei der Peter Schmidt Group, würdigt seinen Mentor und Kollegen in einem persönlichen Brief.

Veröffentlicht am 04.08.2025

Lieber Peter,

Wir ha­ben in der Ver­gan­gen­heit im­mer ver­sucht, dich mit be­son­de­ren Ide­en in un­ser Bü­ro zu locken, denn wir woll­ten den krea­ti­ven Kon­takt zu dir nie ab­rei­ßen las­sen. Zum Bei­spiel ha­ben wir für dich ei­ne ei­ge­ne Schrift auf Ba­sis dei­ner Hand­schrift ent­wi­ckelt und dir zu dei­nem 80. Ge­burts­tag ge­schenkt. Du warst sicht­lich gerührt.

Schöpfer des lilafarbenen Milka Designs und des Jil Sander Logos: Peter Schmidt (1937 – 2025). Bild © Peter Schmidt Group

Un­ser Bü­ro trägt dei­nen Na­men und du bist der Grund, dass es die Pe­ter Schmidt Group gibt. Du hast nach über 34 Jah­ren dein Bü­ro an ei­ne Agen­tur­hol­ding ver­kauft. Ir­gend­wann will man ver­ständ­li­cher­wei­se sei­nen Lohn für die Ar­beit se­hen. Wir wa­ren dir zu groß ge­wor­den. Du such­test aber den­noch ei­ne neue Her­aus­for­de­rung, denn du hast dei­ne Ar­beit ge­liebt.

Als man dich mal ge­fragt hat, an was man sich von dir er­in­nern soll, war dei­ne Ant­wort, dass es dir nicht wich­tig ist. Denn du hät­test dich nie mit Din­gen be­schäf­tigt, die blei­ben, denn du wüss­test, dass sich Din­ge im­mer ver­än­dern müs­sen. Den­noch blei­ben die per­sön­li­chen Be­geg­nun­gen mit dir, die du dein Le­ben lang ge­sucht hast. Im Bü­ro hat­test du ei­nen gro­ßen Be­spre­chungs­raum, der im­mer of­fen war. Dei­ne Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter gin­gen ein und aus, ha­ben mit dir den gan­zen Tag Ent­wür­fe dis­ku­tiert. Wenn nicht im Bü­ro, dann warst du auf Rei­sen, um Kun­den per­sön­lich zu tref­fen. Kein Weg war dir zu weit. Und wenn du abends von den Rei­sen kamst, dann ha­ben schon dei­ne Gäs­te auf Dich ge­war­tet.

Ehemalige Kolleg*innen haben auf Basis der Handschrift von Peter Schmidt eine eigene Schrift entwickelt. Bild © Peter Schmidt Group

Du bleibst in den Köp­fen und Her­zen von Ge­ne­ra­tio­nen von De­si­gne­rin­nen und De­si­gnern, die du in­spi­riert hast. Auch mit dei­ner Hal­tung, dei­ner Of­fen­heit und dei­ner Gro­ßzü­gig­keit. Die Ge­stal­tung war für dich dein Le­ben. In ei­nem In­ter­view für das SZ-Ma­ga­zin hast du ge­sagt: „Man kann Men­schen mit Häss­lich­keit er­schla­gen wie mit ei­ner Axt“. Die­ser Satz macht klar, um was es dir ging, um grund­sätz­li­che Äs­the­tik, um das We­sent­li­che ei­ner Sa­che. Um Ord­nung und Re­duk­ti­on.

Bei Pro­jekt­be­ginn hast du im­mer erst­mal ein wei­ßes Blatt Pa­pier ge­nom­men, oh­ne Li­ne­al ei­nen ge­ra­den Strich ge­zo­gen und den Kun­den­na­men in die Ecke ge­schrie­ben. Du hast dir die Auf­ga­be im­mer selbst er­ar­bei­ten wol­len und da­für brauch­test du Ord­nung. Ich bin mir nicht si­cher, ob du je­mals ein Brie­fing ganz ge­le­sen hast.

2006 verkaufte er die Peter Schmidt Group an BBDO und arbeitete mit einem kleinen Team weiter. Bild © Peter Schmidt Group

Auf der an­de­ren Sei­te konn­test du auch sub­ver­siv sein, manch­mal auch dis­rup­tiv. Du warst in Kun­den­ter­mi­nen der Meis­ter der In­sze­nie­rung, nicht tö­nend, son­dern lei­se und schel­misch. Da­mit hast du die Men­schen in dei­nen Bann zie­hen kön­nen.

Auf wel­che Er­in­ne­run­gen kann man dich jetzt re­du­zie­ren? Auf die un­end­li­chen Pro­duk­te, die du ge­stal­tet hast, auf hun­der­te Par­füm­fla­kons, auf un­zäh­li­ge Fir­men­lo­gos, Bü­cher, Ma­ga­zi­ne, Büh­nen­bil­der, Lä­den, Aus­stel­lun­gen. Was wä­re dei­ne Ant­wort dar­auf ge­we­sen? – „Das ist mir wurscht.“ Uns ist es aber nicht egal, wir wol­len dein Er­be wei­ter­le­ben, wir hof­fen in dei­nem Sin­ne. Dan­ke Pe­ter. Für al­les.

Der Beitrag ist zuerst auf Horizont.net am 28. Juli 2025 veröffentlicht worden: www.horizont.net