NACHRUF
Peter Schmidt prägte Generationen von Designer*innen und baute eines der einflussreichsten Designstudios Europas auf. Nun ist er im Alter von 87 Jahren am 24. Juli 2025 in Hamburg verstorben. Norbert Möller, DDC Mitglied und Executive Creative Director bei der Peter Schmidt Group, würdigt seinen Mentor und Kollegen in einem persönlichen Brief.
Lieber Peter,
Wir haben in der Vergangenheit immer versucht, dich mit besonderen Ideen in unser Büro zu locken, denn wir wollten den kreativen Kontakt zu dir nie abreißen lassen. Zum Beispiel haben wir für dich eine eigene Schrift auf Basis deiner Handschrift entwickelt und dir zu deinem 80. Geburtstag geschenkt. Du warst sichtlich gerührt.
Unser Büro trägt deinen Namen und du bist der Grund, dass es die Peter Schmidt Group gibt. Du hast nach über 34 Jahren dein Büro an eine Agenturholding verkauft. Irgendwann will man verständlicherweise seinen Lohn für die Arbeit sehen. Wir waren dir zu groß geworden. Du suchtest aber dennoch eine neue Herausforderung, denn du hast deine Arbeit geliebt.
Als man dich mal gefragt hat, an was man sich von dir erinnern soll, war deine Antwort, dass es dir nicht wichtig ist. Denn du hättest dich nie mit Dingen beschäftigt, die bleiben, denn du wüsstest, dass sich Dinge immer verändern müssen. Dennoch bleiben die persönlichen Begegnungen mit dir, die du dein Leben lang gesucht hast. Im Büro hattest du einen großen Besprechungsraum, der immer offen war. Deine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gingen ein und aus, haben mit dir den ganzen Tag Entwürfe diskutiert. Wenn nicht im Büro, dann warst du auf Reisen, um Kunden persönlich zu treffen. Kein Weg war dir zu weit. Und wenn du abends von den Reisen kamst, dann haben schon deine Gäste auf Dich gewartet.
Du bleibst in den Köpfen und Herzen von Generationen von Designerinnen und Designern, die du inspiriert hast. Auch mit deiner Haltung, deiner Offenheit und deiner Großzügigkeit. Die Gestaltung war für dich dein Leben. In einem Interview für das SZ-Magazin hast du gesagt: „Man kann Menschen mit Hässlichkeit erschlagen wie mit einer Axt“. Dieser Satz macht klar, um was es dir ging, um grundsätzliche Ästhetik, um das Wesentliche einer Sache. Um Ordnung und Reduktion.
Bei Projektbeginn hast du immer erstmal ein weißes Blatt Papier genommen, ohne Lineal einen geraden Strich gezogen und den Kundennamen in die Ecke geschrieben. Du hast dir die Aufgabe immer selbst erarbeiten wollen und dafür brauchtest du Ordnung. Ich bin mir nicht sicher, ob du jemals ein Briefing ganz gelesen hast.
Auf der anderen Seite konntest du auch subversiv sein, manchmal auch disruptiv. Du warst in Kundenterminen der Meister der Inszenierung, nicht tönend, sondern leise und schelmisch. Damit hast du die Menschen in deinen Bann ziehen können.
Auf welche Erinnerungen kann man dich jetzt reduzieren? Auf die unendlichen Produkte, die du gestaltet hast, auf hunderte Parfümflakons, auf unzählige Firmenlogos, Bücher, Magazine, Bühnenbilder, Läden, Ausstellungen. Was wäre deine Antwort darauf gewesen? – „Das ist mir wurscht.“ Uns ist es aber nicht egal, wir wollen dein Erbe weiterleben, wir hoffen in deinem Sinne. Danke Peter. Für alles.