Unsere DDC Werkstatt im Ökodorf Sieben Linden am 21. September 2025 war nicht nur lehrreich, sondern auch schön und inspirierend. Zwischen sonnigen Wegen, nachhaltiger Architektur wie dem ersten deutschen Strohballenhaus, einem Lösch- und Schwimmteich, Car-Sharing und gemeinschaftlichen Wirtschaftsformen wurde deutlich, wie ressourcenschonendes Leben, Komfort und Lebensfreude vereint werden kann. Diese Eindrücke bestärken uns darin, das Permakultur-Framework als Grundlage für den diesjährigen DDC AWARD 2025 WAS IST GUT anzuwenden.

Lösungen für komplexe Probleme zu gestalten bedeutet, systemische Zusammenhänge zu verstehen. Also genau für solche Probleme, die uns aktuell umtreiben: Wie die Frage, wie man Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit sinnvoll miteinander vereinbaren kann. 

Für den diesjährigen DDC AWARD 2025 WAS IST GUT haben wir uns entschieden, das Permakultur-Framework als Gestaltungsphilosophie in den Mittelpunkt zu stellen. Das Framework mit seiner Ethik basierend auf „People Care“, „Fair Share“ und „Earth Care“ und den daraus entstammenden zwölf Prinzipien erlaubt es, systemische Zusammenhänge niedrigschwellig zu reflektieren, in Beziehung zu setzen und Design oder den Prozess dahinter kritisch zu prüfen. Somit ist es die ideale Grundlage, um die Auswirkungen unserer Gestaltung zu messen. Es geht dabei nicht darum, alles exakt so umzusetzen, sondern sich zu hinterfragen und gemeinsam zu lernen und gegenseitig zu inspirieren. Eine solche Inspiration haben wir als DDC bei unserem Besuch im Ökodorf Sieben Linden am 21. September 2025 gesucht und erhalten. Ein Dorf, das in allen Aspekten auf Permakultur basiert.

Schon beim Rundgang durch das Dorf wurde deutlich, wie stark das zwischenmenschliche Miteinander den Ort prägt. Menschen wirkten fröhlich, offen und ausgeglichen, und zugleich spürte man die Ruhe des Ortes, die Raum für Reflexion über die eigenen Prioritäten schafft. Das Zusammenleben ist geprägt von Empathie, Aushandlung und Gemeinschaft: Regeln existieren, werden aber nicht dogmatisch umgesetzt, Entscheidungen werden iterativ und kollektiv getroffen, in Gesprächen, die alle einbeziehen.

Bewohner*innen teilen Häuser, Ressourcen und Lebensmittel (ohne eigenen Besitz zu verhindern), selbst produzierte Aufstriche, Eintöpfe und Früchte aus den eigenen Gärten bereichern das gemeinsame Essen und die Kosten werden solidarisch getragen. Die Kneipe ist nicht nur ein funktionierendes Unternehmen, sondern dient als sozialer Treffpunkt, Car-Sharing und andere gemeinschaftliche Initiativen fördern den sozialen Zusammenhalt, minimieren Ressourcenverbrauch und unterstützen die Infrastruktur der Umgebung. Werkstätten im Dorf ermöglichen autodidaktisches Lernen in Architektur, Handwerk und Infrastruktur. Dieses zwischenmenschliche Netzwerk zeigt, wie soziale Kohäsion, Kooperation und gegenseitige Unterstützung integraler Bestandteil eines funktionierenden, nachhaltigen Zusammenlebens sind und eine kollaborative Gestaltung stärken können.

Die nachhaltige Infrastruktur des Dorfes ist ein zentraler Bestandteil seiner Resilienz und demonstriert, wie technische, ökologische und ästhetische Entscheidungen ineinandergreifen. Vom ersten deutschen Strohballenhaus und der Anwendung nachhaltiger Materialien im Bau allgemein, über eine kleine Biogasanlage hin zum eigenen Lösch- und Schwimmteich verschmilzt hier Funktion und ökologische Nachhaltigkeit nahtlos mit Ästhetik. 

Die Lehmwände rochen angenehm, fühlten sich warm und lebendig an und machten den Wert natürlicher Materialien unmittelbar erfahrbar. Ein Haus im Rohbau regte intensive Gespräche über unterschiedliche Energieversorgungssysteme an und verdeutlichte, wie technische Entscheidungen Hand in Hand mit sozialer Organisation gehen können. Der Lösch- und Schwimmteich zeigt, wie zweckhafte Infrastruktur Mehrwerte erzeugt, die auf den ersten Blick nicht offensichtlich sind. Auch die Gärten mit ihrer Vielfalt an Früchten illustrieren, wie Ökologie, Ästhetik und Nahrungsmittelproduktion intelligent zusammenwirken. Unterschiedliche Unternehmen, darunter Beratungsstellen, ein Geigenbauer, das eigene Car-Sharing-System und ein Tiny-House-Bauer, tragen zur lokalen Wirtschaft bei. Dinge, die nicht selbst produziert werden können, werden lokal bezogen, wodurch das Dorf als ökonomischer und sozialer Knotenpunkt fungiert. Damit wird ökonomischer Mehrwert für die gesamte Region generiert, in einem Bewusstsein für begrenztes Wachstum.

Sieben Linden erzeugt Impulse für die Umgebung und ökonomische Entwicklung. Das Dorf vernetzt sich mit Nachbardörfern, unterstützt Bildung und soziale Einrichtungen und trägt zur Stabilisierung regionaler Strukturen bei. Durch Engagement und Anstellungen der Bewohner*innen in zum Beispiel der lokalen Feuerwehr des Nachbarortes, lokale Produktion und den Unternehmen des Dorfes entstehen Synergien, die wirtschaftliche Impulse schaffen, Arbeitsplätze generieren und Menschen zum Ansiedeln in der Region anregen. Anstatt Kompromisse zwischen Wirtschaftlichkeit, ökologischer Nachhaltigkeit und sozialer Nachhaltigkeit werden diese hier gestalterisch synergetisch verbunden und schaffen so reale Transformation, die über das Dorf hinausgeht. Ein faszinierendes Leitbild für Design!

Das Dorf ist ein lebendiges Real-Labor für nachhaltige, praxisnahe Gestaltung, das weit über den unmittelbaren Dorfkern hinaus Wirkung entfaltet und ein wirklich alle Lebensbereiche einschließender „Proof of Concept“ ist.

Die Verbindung und Verwandtschaft von Permakultur und Design zeigte sich besonders in den Workshops vor Ort, in denen nicht nur über Permakultur-Ethik und Anwendung in vielerlei Designdisziplinen, sondern auch über die oft veralteten Vorstellungen des Gartenbaus diskutiert wurde: Was einen Transfer der Permakultur in die eigene Gestaltungsarbeit und Ideen und persönliche Reflektieren ermöglichte.

Unser persönliches Erlebnis als DDC war geprägt von Inspiration und praktischer Erkenntnis. Die Kombination aus Lernen und Diskutieren während Workshops und gemeinsamer Mahlzeiten, dem Abend in der Kneipe und Besichtigungen des Dorfes machte sichtbar, wie Permakultur und Design einander ergänzen: Design, das sich Permakultur zu eigen macht, wird menschlicher, nachhaltiger und zukunftsfähiger. Was ebenso klar wurde, war, dass Gestaltende die Permakultur nutzen genauso Designer*innen sind, wie solche, die dies formal an einer Hochschule gelernt haben. Nur mit anderen Prioritäten und teils leicht anderen Fähigkeiten.

Die Führung durch Joel Campe und das gesamte Team von Sieben Linden war nicht nur kompetent, sondern auch persönlich und zugänglich, wodurch der Besuch zu einer besonders eindrucksvollen Erfahrung wurde. Fernab der gängigen Hippie-Klischees demonstriert Sieben Linden, dass Permakultur professionell, wirksam und zukunftsorientiert umgesetzt werden kann. Das Dorf möchte keinen Finger zeigen, sondern inspirieren, was im Zuge unseres Besuches gelang.

Die Eindrücke bestärken uns darin, Permakultur als Grundlage für den DDC AWARD 2025 WAS IST GUT zu wählen, Designer*innen zu inspirieren, der eigenen Gestaltung neue Perspektiven ermöglichen und Lebenswelten nachhaltig zu verbessern. Sieben Linden zeigt, wie aus einem brachliegenden Fleck Erde ein Ort entstehen kann, der Architektur, Gemeinschaft, Wirtschaft, Bildung, Infrastruktur und Ökologie beispielhaft miteinander verbindet und über die Region hinaus Impulse für nachhaltiges Design liefert. Wir sind gespannt darauf, wie der zukünftige Transfer in weitere Designdisziplinen geartet sein wird und freuen uns auf unseren ersten Beitrag hierzu: dem diesjährigen DDC AWARD 2025 WAS IST GUT!

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Bilder © Michael Menge