Service Design als explizite Disziplin, aber auch Teilbereiche wie die Gestaltung von Prozessen und Systemen, erfahren nun endlich auch in Deutschland den Stellenwert, den sie in vielen anderen Ländern bereits seit einiger Zeit besitzen. Auch wir im DDC möchten uns gemeinsam mit unseren Mitgliedern diesem Themenkomplex widmen, Praxen und Paradigmen diskutieren und haben daher auf unserer letzten Mitgliederversammlung Prof. Birgit Mager von der Köln International School of Design (KISD) zu unserem Ehrenmitglied ernannt. Nach ersten Workshops stand nun ein Werkstattbesuch bei unserem Ehrenmitglied an.
So ging es nun am 18. Juni 2026 nach Köln. Nicht nur zu einem gewöhnlichen Werkstattbesuch, sondern zum ersten Werkstattbesuch, den wir auch für externe Interessierte geöffnet haben. Insgesamt fanden sich rund 20 DDC Mitglieder und Freund*innen und Gäste in Köln ein.
Los ging es am Donnerstagabend in entspannter Atmosphäre. Wir trafen uns auf ein, zwei oder auch drei Kölsch in der genossenschaftlich geführten Bar Trink:Genossin in Köln-Ehrenfeld, deren Entwicklung durch Service Design begleitet wurde. Neben spannenden Einblicken in die Organisationsform der Bar und ihre Entscheidungsprozesse war es vor allem ein schöner Moment, gerade für die Nicht-Mitglieder, sich persönlich und den Vibe des DDC kennenzulernen. Auch hierbei zeigte sich wieder, wie wertvoll der kleine und persönliche Rahmen solcher Werkstattbesuche ist.
Am nächsten Morgen ging es dann gleich inhaltlich weiter. Gemeinsam trafen wir uns im Zukunftslabor der Stadt Köln. Neben spannenden Projekten, die uns vorgestellt wurden, erhielten wir auch Einblicke in die Arbeitsweisen des Labors. Besonders spannend war jedoch zu sehen, wie man eine Stadtverwaltung strategisch durch viel Ruhe, Geduld, Empathie und kleine trojanische Pferde Schritt für Schritt an Service Design heranführen kann. Gerade dafür gebührt dem Team großer Respekt.
»Besonders spannend fand ich den Besuch im Innovationsbüro der Stadt Köln. Dort konnte man erahnen, was möglich wäre, wenn alle Prozesse von Behörden und Ämtern konsequent vom Menschen her gedacht würden.«
Ingo Butsch (DDC)
Nachdem wir uns gemeinsam auf den Weg zur KISD gemacht hatten, versammelten wir uns bei dieser Hitze zunächst noch, um dem Wetter angemessen mexikanisch zu essen und den Durst zu löschen, bevor es dann weiter zur KISD und damit dem Programm Höhepunkt ging.
»Ich erinnere mich besonders gern an die kleine, intime ‚Privatvorlesung‘ an der Köln International School of Design mit Prof. Uta Brandes und Prof. Birgit Mager. Wie erklärt man die Geschichte des Service Designs? Indem man (Birgit) sich durch vergessene Objekte der letzten Jahrzehnte räumt und dabei leichtfüßig zwischen Anekdotischem und ehrfurchtgebietenden Meilensteinen hin- und her assoziiert. Es war eine Freude, dabei zuzuhören.«
Marie Träger (DDC)
Auch die Einblicke, die uns Prof. Dr. Uta Brandes in das Thema Gender im Design gab, waren sehr eindrucksvoll. Besonders beeindruckend war zu sehen, wie intensiv sie sich über Jahrzehnte auch zunächst gegen Kritiker*innen ihrer Arbeit durchsetzen konnte und schließlich sogar einen eigenen Lehrstuhl an der KISD dafür etabliert hat.
»Nicht oft bekommt man so einen Einblick in die Arbeitswelt anderer. Der Besuch beim Innovationsbüro der Stadt Köln hat mir aufgezeigt, wie wichtig, aber auch wie fordernd die Arbeit auf Verwaltungsebene ist. Die anschließenden und enorm erkenntnisreichen Vorträge von Prof. Birgit Mager und Prof. Dr. Uta Brandes an der KISD haben den Tag zudem wunderbar abgerundet. Gerne wieder!«
Felix Brauner (DDC)
Nachdem wir so viel gehört hatten, ging es weiter durch die Hitze zu einem gemeinsam mit Studierenden entstandenen Tauschschrankprojekt, um das Ganze noch einmal in der Praxis zu erleben: Ein nettes Angebot, das im Kleinen etwas Müll vermeidet und die Nachbarschaft verbindet. Prof. Birgit Mager stellte uns das Projekt vor, das derzeit ein Revamp erfährt, und verabschiedete sich anschließend ins wohlverdiente Wochenende.
Wir anderen hatten noch einen weiteren Programmpunkt vor uns: den Besuch von Birgit Magers Lieblingsort in Köln, dem Kolumba. Zunächst fiel das tolle Servicekonzept auf, das es uns ermöglichte, als einzige Besucher*innen mit einer privaten Führung im Museum zu sein. Wir erfuhren viel über die bewegte Geschichte der Gemeinde St. Kolumba und die Zerstörung ihrer Kirche im Zweiten Weltkrieg. Gleichzeitig wurde aber auch deutlich, wie aus solchen Orten etwas völlig Neues und Beeindruckendes entstehen kann. Die Architektur von Peter Zumthor ist in ihrer Detailgestaltung ein einziges Gesamtstatement. Sie schafft Räume, die zwar ideal auf die dortige Kuratierung abgestimmt sind, zugleich aber so beeindruckend sind, dass wir uns mindestens genauso viel über die Architektur wie über die Ausstellung unterhalten haben. Dann blieben nur noch zwei Dinge zu erledigen: Connecten für die Zukunft und irgendwie im Wetterchaos nach Hause kommen.
»Am meisten sind mir die Widrigkeiten des Lebens als Mensch in Erinnerung geblieben. Gemeinsam im Kampf durch die Schwüle der Stadt. Unterstützt durch Fremdenführer Ingo Butsch und Google Maps und lauwarmen Frühkölsch aus der Dose beim Warten auf den verspäteten Zug zurück nach Frankfurt. Schön war’s mit euch! Gerne wieder!«
Anna Kirchner (DDC)
Für uns als DDC war dieser Werkstattbesuch ein Meilenstein. Durch die Öffnung solcher Veranstaltungen möchten wir künftig noch mehr Menschen den DDC näherbringen. Gleichzeitig ist dies ein weiterer Baustein, den DDC langfristig auch finanziell zu stärken. Dass dieses Konzept sowohl bei unseren Mitgliedern als auch bei den externen Gästen so gut ankam, bestätigt uns darin, diesen Weg weiterzugehen.
Vielen Dank an Prof. Birgit Mager für die Co-Organisation und an Prof. Dr. Uta Brandes für ihren Vortrag. Vor allem geht aber auch Dank an alle Teilnehmenden. Es war wirklich schön mit euch und ein tolles Gefühl von Gemeinschaft und persönlichen Verbindungen und Interesse für sinnvolle Gestaltung.
»Wie erkennt man gutes Service Design? Daran, dass selbst Starkregen, Bahnchaos und Hitzewelle die User Experience nicht ruinieren. Ich freue mich auf die nächste DDC Werkstatt!«
Marie Träger (DDC)